Timo ERTEL

Der Segen des Augustregens

Welch ein Segen bringt der Regen
auf den ausgedörrten Grund!
Still fällt er auf Feld und Wegen,
und die Erde atmet rund.

Wo noch gestern Halme knisterten,
hart und spröde stand der Rain,
hörst du heute Tropfen flüstern,
tief ins dürre Erdreich ein.

Unter Buchen, Eichen, Fichten
dunkelt feucht der Waldesgrund;
Farne heben ihre Fächer,
Moos wird weich und satt und bunt.

Brombeerblätter, staubbeladen,
glänzen wieder dunkelgrün;
Schnecken wagen sich auf Pfaden,
Regenwürmer ziehn dahin.

Über abgeernteten Feldern
hängt der Himmel grau und weit;
aus den Hecken, aus den Wäldern
steigt der Duft der Feuchtigkeit.

Selbst die alte Silberweide
tropft erleichtert Blatt für Blatt;
und das Gras am Wegesrande
wirkt, als wäre es wieder satt.

Keine Sonne brennt auf Steinen,
kein Staub tanzt überm trocknen Land;
selbst die Pfützen möchten meinen,
heute wären sie von Stand.

Und der Mensch? Er sah seit Wochen
sehnsuchtsvoll zum Himmel hin:
„Regne endlich!“, hat er gesprochen —
fast als läge Weisheit drin.

Nun regnet es. Die Erde trinkt.
Der Garten lebt, der Bach wird voller.
Doch schon, bevor die letzte Wolke sinkt,
fragt einer: „Wird es morgen wieder doller?“

So segnet Regen Feld und Garten,
ganz ohne Dank und ohne Pflicht.
Die Erde kann geduldig warten —
der Mensch gewöhnlich eher nicht.

© Timo Ertel, 2026

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