TIMO ERTEL

Die Ackerwinde am Feldrain.

Am Ackerrain, im frühen Glanz,
beginnt ihr stiller Blütentanz.
Der Morgen küsst ihr weißes Kleid,
es schimmert zart in Reinlichkeit.

Sie windet sich mit sanfter Kraft
empor an Halm und grüner Saft;
kein Stolz verlangt nach fremdem Ruhm,
ihr Ziel ist nur des Lichtes Raum.

Der Lerche Lied steigt himmelwärts,
der Tau bewahrt ihr stilles Herz.
Ein Falter ruht auf ihrem Rand,
der Sommer reicht ihr seine Hand.

Der Mohn verglüht in roter Pracht,
die Kornblume hält blaue Wacht.
Doch zwischen Ähre, Gras und Klee
blüht sie wie stilles Abendweh.

Der Feldahorn wirft lichten Schein,
der Weißdorn atmet Blütenschein.
Die Linde sendet süßen Duft,
der Heugeruch erfüllt die Luft.

Nur einen Tag ist ihr geschenkt,
bis sie die Blüten wieder senkt.
Sie klagt nicht über kurze Frist,
weil jeder Tag ein Wunder ist.

So spricht die Winde, still und klein:
Nicht Größe macht das Leben rein.
Wer treu dem eignen Wesen bleibt,
hat mehr erreicht, als Ruhm je schreibt.

Und wenn der Abend niedergeht
und leis der erste Stern entsteht,
schließt sie den Kelch im Dämmerschein
und träumt vom nächsten Morgenschein.

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