Wenn längst der Tag zur Ruhe sinkt
und Abendgold die Felder schmückt,
erhebt sich still, von Licht umringt,
was niemand mittags recht erblickt.
Die Nachtkerze entfaltet sacht
ihr sonnengelbes Blütenkleid;
sie wartet nicht auf grellen Tag,
sie blüht zur stillen Abendzeit.
Wo Falter durch die Dämmer ziehn
und leiser Tau die Halme küsst,
beginnt ihr heimliches Erblühn,
weil wahre Kraft oft leise ist.
In Samen birgt sie heilend Öl,
das trockne Haut behutsam nährt,
Entzündung mildert, Ruhe schenkt
und stille Hoffnung weiterträgt.
Die Blüte schmückt den Sommertisch,
die Wurzel nährte einst das Land;
was unscheinbar am Wege steht,
reicht oft die reichste Gabenhand.
So lehrt die Nachtkerze den Blick,
nicht nur dem hellen Tag zu trau’n.
Manches Gute wächst im Stillen
und öffnet sich erst im Vertrauen.