Der Roggen stand schon gelb bei Königgrätz,
die Mohnblüte brannte an den Wegen,
und über Chlum lag jener blaue Himmel,
der keinen Unterschied kennt
zwischen Ernte und Vernichtung.
Wir kamen im Morgengrauen.
Der Tau hing noch am Wiesensalbei,
die Lerche stieg, als gäbe es
über der Erde nichts zu beklagen.
Dann sprach die Artillerie.
Der Sommer verlor zuerst seinen Klang.
Kein Grillenruf, kein Flügelschlag,
nur Eisen, das die Luft zerriss,
und Kommandos, die Männer bewegten
wie Garben unter einer Sense.
Im Swiepwald roch es nach nasser Rinde,
Pulver und aufgerissener Erde.
Die Buchen trugen frisches Laub;
unter ihnen lagen junge Männer,
deren Mütter den Juli
noch immer für einen Monat des Lebens hielten.
Wir luden im Liegen.
Wir schossen schneller, als wir dachten.
Man hatte uns gelehrt,
dass die bessere Waffe den Sieg bringe;
niemand hatte gesagt,
was der Sieg mit dem Sieger macht.
Gegen Mittag kam der Kronprinz.
Seine Kolonnen erschienen im Norden
wie ein Gewitter, das marschieren gelernt hatte.
Auf der Höhe von Chlum
wendete sich das Schicksal —
nicht feierlich, nicht gerecht,
nur endgültig.
Die Österreicher wichen zur Elbe.
Pferde stürzten in die Gräben,
Verwundete riefen nach Wasser,
und über allem stand die Sonne,
gelb, unbewegt,
als sei sie die einzige Macht,
die keinen Befehl empfangen musste.
Am Abend blühte der Holunder
noch immer weiß an den Gehöften.
Wir wuschen Blut von den Händen
und nannten das Ergebnis einen Sieg.
Später zeichneten die Generäle Pfeile
auf saubere Karten.
Sie sprachen von Raum, Zeit und Entscheidung,
von getrenntem Marsch und vereinter Schlacht.
Doch wer dort gewesen war, wusste:
Auf Karten fallen keine Menschen.
Dort welkt kein Mohn unter Stiefeln,
dort ruft kein Sterbender nach seiner Mutter,
und kein Julihimmel muss ertragen,
dass unter seiner grenzenlosen Bläue
Brüder einander zu Geschichte machen.