„Wenn ein Mann mich jemals schlägt, werde ich ihn umgehend verlassen“, sage ich zu meinen Freunden, während das Lied „Ultraviolence“ in meinen Kopfhörern dröhnt. Ironisch, so etwas zu sagen, wenn man eine Person ist, die jegliche Art von Respektlosigkeit ignoriert, nur um sich geliebt zu fühlen. Es fängt an mit den Bemerkungen deiner Freunde in der Grundschule, die du ignorierst, weil du dazugehören möchtest. „Lach doch mal“, sagen sie, und du stehst da und fängst lauthals an zu lachen, obwohl du bereits angefangen hast, dich zu fragen, was falsch mit deinen Haaren, deinen Klamotten und deiner Brille ist. Liebe, Anerkennung. Zwei Dinge, nach denen du dich sehnst, auch dann in dem Moment, wenn dein Ex-Freund ungefragt die Hand in deine Hose steckt und dir sagt, dass du es ja nur genießen musst, und dann geht alles ganz schnell. Die sexistischen Kommentare der Männer am Straßenrand; „Darüber freut man sich“, wird dir gesagt, und du denkst, so funktioniert die Welt. Doch niemand sagt dir, dass es nicht normal ist, wenn der Junge, der dich mag, dich beleidigt. Man duldet all die Respektlosigkeiten, nur um Liebe zu spüren, und so kommt es, dass du nackt vor dem Jungen liegst, von dem du dir die wahre Liebe erhoffst. Du spürst die Hände an dir, den Atem und die Küsse. Liebe, das muss sie sein, denkst du dir, während eure Seelen sich verbinden, doch ehe es vorbei ist, realisierst du, was ihr da gerade getan habt. Das Erste Mal, so schnell vorbei wie ein Wimpernschlag, und du kommst wieder zu dir, als die Erregung deinen Körper verlässt, und bereust. Du fühlst dich, als hättest du deine Seele an den Teufel höchstpersönlich verkauft, und das, obwohl du die Person dir gegenüber von ganzem Herzen liebst. In dem Moment wird dir klar, dass du für die Liebe alles tun würdest, auch wenn dein Gegenüber nicht so fühlt, wie du es tust. Realisation, in dem Moment, wo du sogar Schläge akzeptieren würdest, nur um die Liebe nicht zu verlieren. Und so denkst du über die Texte von Lana Del Rey nach und du hörst den Satz „He hit me and it felt like a kiss.“ Und du findest dich genau dort wieder. Allein, in deinem Bett, mit Tränen in den Augen und einem Körper, bei dem nicht nur die Seele, sondern auch die Haut schmerzt, weil du extra heiß geduscht hast, um dich dafür zu bestrafen, dass deine Liebe weg ist. Was hätte ich besser machen müssen? Eine Frage, auf die du nie eine Antwort bekommen wirst, und das musst du akzeptieren. Also nimmst du dein Handy und schreibst den letzten Text und blockierst die Person, von der du dir die Liebe erhofft hast, die du verdienst, denn irgendwann wird dir klar, dass du Besseres verdient hast, auch wenn genau seine braunen Augen die waren, die du willst. Loslassen, Lernen und Liebe neu kennenlernen. Ziele, die ich mir in meinem Leben hoffentlich selbst erfüllen kann. Hoffentlich werde ich irgendwann verstehen, dass Liebe nicht aus blauen Flecken besteht und Liebe nicht dauerhaft weh tut.
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