Albrecht Classen

Urgestein

Urgestein

Im feurigen Urgrund
entstand
etwas Großes
und wuchs auf.
Gewaltige Kräfte
formten das Sein
und türmten sich hoch,
Berge entstanden
und die Meere
strömten zusammen,
bis das Ungeheuer,
der sogenannte Mensch,
den Kopf nach oben streckte
und brüllend
nach der Herrschaft griff.

Mit schwarzen Flügeln
entfernten sich
die Nachtvögel
voller Entsetzen schreiend
und warnen nicht mehr
vor dem Morgen,
düster umschattet.
Welche Worte
hinterließen sie,
die alten Weisen,
bevor die Bäume
allesamt
den Flammen zu Opfern fielen?

Zerfurchte Felder
weisen die Spuren auf
von gestrigen Hieroglyphen,
aber wir lesen sie nicht,
wie ja alle Bücher
der Vergessenheit
anheimgefallen sind.
Rettung könnte noch
in den Flechten ruhen,
aber der Moloch
kratzt bereits daran,
um die letzten Spuren
der Schöpfung
auszumerzen.

Die gebärende Mutter
stönt vor lauter Schmerzen,
aber das Leben
drängt sich doch hervor
unter Feuer und Flammen
im brütenden Moor.
Wohin treibt uns also
die Wolkenbank,
schwache Fanale
einer schlimmen Zeit.
Es dröhnen die Dronen,
die Roboter senden
ihre Befehle aus,
und wir nicken bloß stumm,
das war’s wohl gewesen.

Alte Zauberworte
wie Runen im Stein,
raunen im Stillen
und warten,
warten auf die Töne
vom Himmel tropfend –
gibt es vielleicht noch
Gnade, Gnade, oh Herr?
Sie wissen ja nicht, was sie tun.
Es raucht und zischt,
die Brücke bricht,
die Zufluchtswege
sind abgeschnitten,
hic Rhodos, hic salta,
weiter geht es nicht.

Rettet mich,
ihr späten Worte,
wenige möget ihr sein,
aber bergt ihr nicht
noch eine Hoffnung
auf das Morgen,
mit den leisen Klängen
jenseits des Sumpfes,
wo ein kleines Lichtlein
im kalten Wind hängt
und trotzig die Stellung hält?

Fangen wir wieder von vorne an,
kleine Schritte erst,
von Buchstabe zu Buchstabe,
die Worte werden schon folgen
bis hin zur neuen Kreation,
ich liebe dich,
so flüstere ich
ganz tief im Herzen,
lass mich nicht im Stich,
am Anfang war . . .,
was war es denn gewesen?
Wir kreuzen unsre Degen,
sprachlos geworden
wie Mühlenräder
aus Don Quijotes Tagen.
Wer wird es also wagen,
aufzustehen, mutig,
noch einmal, trotz allem.
Das Experiment
wurde ja bereits einmal schon
wiederholt,
wenn auch mit zweifelhaftem Ergebnis.
Was mag der dritte Entwurf
wohl in sich bergen?

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