Der August lag auf Feld und Rain,
noch warm vom langen Sonnenschein;
doch morgens hing im Wiesengrund
schon Tau wie eine stille Kund.
Da ging der erste langsam hin,
als trüge jeder Schritt schon Sinn.
Er sah das Korn, den alten Baum
und sprach vom Jahr wie von einem Traum.
Er wusste: Alles, was uns blüht,
ist schon im Wandel, wenn es glüht.
Die Frucht wird schwer, das Blatt wird müd —
und dennoch singt im Busch ein Lied.
Der zweite kam den Weg entlang,
betrachtete das Menschenwerk:
den Sonnenschirm, den Gartenschlauch,
den Wetterbericht und Menschen auch.
„Zu heiß“, hieß es noch gestern hier,
„kein Regen weit und breit vor mir!“
Nun fiel der Landregen dicht.
Da sagte einer: „Schön ist’s nicht.“
Der dritte lachte in den Wind,
weil Menschen eben Menschen sind.
Er sprang durch eine Pfütze quer
und fand den Himmel gar nicht schwer.
Er kannte Sturm und schiefes Glück,
verlor auch manches gute Stück;
doch wer genug vom Leben sah,
weiß: Selbst im Regen ist was da.
Der vierte blieb am Feldrain stehn,
um einer Wolke nachzusehn.
Vielleicht, so dachte er ganz sacht,
hat sie den Regen nur erdacht.
Vielleicht sind Tropfen kleine Briefe,
gesandt aus unbekannter Tiefe;
vielleicht träumt selbst der alte Stein,
bei Regen wieder jung zu sein.
So gingen vier durch diesen Tag,
ein jeder, wie er denken mag:
der eine maß der Zeiten Lauf,
der zweite schrieb die Menschen auf,
der dritte nahm das Leben hin
mit schiefem Lächeln und Gewinn,
der vierte sah im Regentropfen
die Ewigkeit ans Fenster klopfen.
Am Abend lag auf Feld und Flur
der Regen still wie eine Spur.
Der August roch nach Erde, Gras —
und jeder sah darin etwas.
Die Zeit ging weiter. Unbeirrt.
Wie sie es immer tun wird.
Nur wir erklären jedes Wetter,
als wüssten wir es etwas besser.
© Timo Ertel, 2026