Wenn nur noch Siegel sprechen
Und Pergament das Schicksal lenkt,
Wenn kalte Zeichen über Leben
Mit stummer Hand die Wege senkt.
Wenn hinter hohen Mauern
Die Hüter der Ordnung wachen
Und jedes Wort erst Geltung findet,
Wenn sie es aufgeschrieben haben.
Wenn die Waage nur die Zahlen kennt
Und nicht die Last, die einer trägt,
Wenn Recht in schwarzen Lettern ruht
Und niemand nach dem Herzen fragt.
Wenn vor verschlossenen Toren
Der Mensch um Menschlichkeit fleht,
Doch nur der Hüter seiner Schriften
Sein Anliegen schweigend zählt.
Dann ist die Ordnung wohl vollkommen,
Doch was ist aus dem Menschen geworden?
Ein Name zwischen tausend Seiten,
Ein Zeichen unter fremden Worten.
O möge einst die Hand erwachen,
Die nicht nur prüft, sondern versteht;
Ein Blick, der hinter Akten schaut,
Ein Herz, das nicht an Vorschriften vergeht.
Denn Recht mag Wege weisen,
Und Ordnung mag Grenzen bauen –
Doch wo kein Herz den Menschen sieht,
Was bleibt dem Menschen noch zu trauen?