Ganz die Alte

Du hast dich gut gehalten, sagt jemand nach zwanzig Jahren. Ich bedanke mich, bevor ich weiß, wofür. Ich habe mich nicht gehalten. Ich habe mich verloren. Neu zusammengesetzt. Ansichten weggeworfen, die einmal mein ganzes Gewicht getragen hatten. Ich habe jemanden geliebt, der mich heute nicht mehr erkennen würde. Aber das Gesicht scheint noch zu stimmen.

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Nachtvogel

Eigentlich solltest du schweigen in dunkler Ruh’. Nur die Eulen heulen von Zeit zu Zeit, jagdbereit. Nachtvogel, dein Gefieder leuchtet nicht unter den schweren Wolken, regenschwanger. Aber wohin äugst du aus dem nackten Gebüsch, worauf wartest du, wenn der Mond sein spärliches Licht auf die Fluren wirft? Dein spitzer Schnabel könnte steckenbleiben in fauler Rinde,

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Ungestillt

Auch die Zärtlichkeit hat keinen Schlaf gefunden. Sie liegt zwischen zwei Körpern, mit offenen Augen. Ein Kuss auf die Schläfe. Das vertraute Gewicht auf der Matratze. Wie wenig fehlt für eine Umarmung. Wie lange kann ein Herz so nah am anderen warten.

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Wolfsgesänge

Küsse mich, Geliebte, Küsse mich und schenke mir deinen Atem. Auf Eukalyptuszweigen lege ich dir mein Herz hin. Hinter Wänden von Schweigen bricht meine Liebe durch. In eine Wolldecke aus Zärtlichkeit hülle ich mich ein, damit du meine Schreie hörst. Wenn es nur einen Weg gäbe, um in deiner Nähe zu sterben, so finde ich

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Kontraste

Hinter der glühenden Sonne wartet unendliche Dunkelheit. Jenseit der irdischen Zeit ahnt die Unendlichkeit, trotz der größten Hitze droht die Kälte unter uns allen. Schweigende Sterne kreisen im tiefen Raum, wir hören sie nicht. Unendliche Wege führen irgendwohin, orientierungslos stürzen wir voran. Hoffnungen blühen auf und treiben eine Frucht, wer pflanzt sie dann im trüben

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Vergebung

Die Disteln dürfen ihre Köpfe behalten. Noch gestern wollte ich nichts als die Wurzel, bloßgelegt, verdorrend. Nun dieses Weiß über den Stacheln. Der Wind nimmt nicht die ganze Distel mit. Nur das, was sich lösen kann. Ich stehe in den fliegenden Samen und lasse den Sommer unbeaufsichtigt.

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Entehrt!

Entehrt! Wurde entehrt von wissender Macht. Hilfloses Flehen beschallte die Nacht. Ein gieriges Lachen erhöhte die Pein. Gedemütigt so blieb sie damit allein. Die weinende Seele war tief verletzt. Gedanken eng mit Erlebten vernetzt. Jahre später noch schwelgendes Joch. In all der Not will das Leben ein Doch. Bernd Tunn Tetje

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Die Unterschrift

Am Ende konnte sie ihren Namen nicht mehr schreiben. Der erste Buchstabe gelang. Dann hielt sie den Stift über das Papier, als müsste jemand den nächsten vorsagen. Mit diesem Namen hatte sie eine Wohnung gemietet, eine Ehe beendet, mich für den Schulausflug angemeldet. Ich legte meine Hand um ihre. Sie ließ es zu. Wir schrieben

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Das Schweigen der Schwerter

Im Staub der Städte, wo der Rauch nicht weicht, steht Atlas stumm, vom Lärm der Welt erreicht. Er trägt die Trümmer zerriss’ner Himmel tief, die Erde bebt, wo einst der Frieden schlief. Ein Phönix sucht im Schutt nach neuem Glanz, doch Asche brennt im wilden Kriegstanz. Er will steigen, die Wunden sanft zu heilen, doch

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Zwei von fünf

So, nun habt ihr endlich euer Kreuz gemacht Und es brauchte nicht besonders viel Mut Mit nie da gewesener Selbstverständlichkeit Nur mit Stolz und Trotz und jede Menge Wut Ein Kreuz in dem ihr eine Alternative seht Aus einer chronischen Unzufriedenheit Für starke Taten erwartungsvoller Lenker Gegen all die demokratische Unfähigkeit Ihr fühlt euch stark,

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Bildhauer unbekannt

Mein Bild im Spiegel Wandert. Kippt. Verblasst. Neue Falten. Alte Fragen. Eine Stirn, die leise lacht. Doch tief in mir hängen andere Rahmen. Eingebrannt wie frische Narben. Ohne Datum. Ohne Namen. Bildhauer unbekannt. Hat mich in Liebe und Schmerz gehauen. Ein Lächeln plötzlich, das mich hält. Eine Umarmung, die nicht infrage stellt. Und für einen

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Mein schönes Leben oder Weihnachten backen wir wieder Plätzchen

Mein schönes Leben oder Weihnachten backen wir wieder Plätzchen Eine Stunde in der Gesprächstherapie: Patient: Ich schäme mich nicht für meine Einsamkeit – nicht mehr. Therapeut: Neue Zeiten sind angebrochen – wir können nun frei über Ihr Problem sprechen, aber nur, wenn Sie wollen! Patient: Habe gerade nichts Besseres vor. Was wollen Sie hören? Therapeut:

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Herzwand/ Rosen im August

Leben heißt, sich gegen deine Haut zu stemmen, in deinen Armen zu liegen, deinen Herzschlag zu spüren, die Lippen an deiner Wange zu fühlen, hier will ich leben und sterben, hier will ich bleiben, gewandet mit meinen Gefühlen, kaum dass ich Atem hole, wendest du dich von mir ab, bleibe in mir, wie eine Herzwand

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Mein schönes Leben oder Weihnachten: backen wir wieder Plätzchen.

Eine Stunde in der Gesprächstherapie: Patient: Ich schäme mich nicht für meine Einsamkeit – nicht mehr. Therapeut: Neue Zeiten sind angebrochen – wir können nun frei über ihr Problem sprechen, aber nur, wenn sie wollen!? Patient: Habe gerade nichts Besseres vor, was wollen sie hören!? Therapeut: Sie sprachen in der letzten Stunde über Einsamkeit. Wie

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Nebelherz

Nebelherz Einsam und allein, wie Treibgut im weiten blauen Meer, sind wir Menschen. Und wenn wir einmal auf festem Boden stehen, um endlich zu lieben und uns wünschen, geliebt zu werden, stehen wir im Nebel. An Liebe hat es uns nie gemangelt, sie ist da. Wir müssen unser Herz wie einen Kompass nutzen, der uns

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Happy New Existence

Happy New Existence Alles geht einmal Liebe geht Tränen auch Bäume gehen Blumen auch Gewitter gehen Vater und Mutter auch Ängste und schwarze Wolken gehen Zweifel auch Brüder und Schwestern gehen Das tägliche Aufwachen auch Und die Welt geht Und wir alle auch Und die Milchstraße geht Und alles andere auch Und Neues kommt Und

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Herzen Binder

Einsamer Ort Einsames Dasein In tiefer Nacht Ein Mensch Hält inne Seine Sicht Die keine Sicht mehr ist Verliert sich in der Finsternis Seine Augen Das Weinen hat sie verbrannt Ach, wäre er nach dem Weinen doch Weggerannt Doch er Hält inne In der Tasche Seelenschwerer Herzen Binder Sein Herz, schwer beschädigt Das andere auch

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Sterne verglühen

Sterne Verglühen Täglich In mir Und ich Suche neue Unverglühte Sterne Jeden Tag neu In jeder Nacht Und jeden Tag Immer auf der Jagt Tränen nehmen die Last Die Nacht trägt mich Das Licht wiegt mich Ein Leben für uns Alle Ein Leben mit viel Zeit Zeit verbrennt leise neben mir Ich kann die Augen

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