Nicht so schlimm

Drei Wochen lang schmeckt ihre erste Liebe nach Zitroneneis und nach dem Wort wir. Sie glaubt, dass sie gemeint ist, wenn er es sagt. Dann nimmt er sie mit zu seinen Eltern. Seine Mutter begrüßt den Sohn. Die Freundin wird begutachtet. Der Vater fragt nach ihrer Herkunft. Aus Köln, sagt sie. Nein, woher wirklich? Jede

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Schuldig

22. Juli 26 · Mittwoch · 22:47 Uhr Mit kreisenden Gedanken liege ich hier. hier in meinem zu großen Bett. Zu zweit hätten wir hier perfekt hineingepasst. Allein fühlt es sich kalt und riesig an, so als wäre ich im endlosen Ozean gefangen. Wie deine Seite immer ein kleines Stück wärmer war als meine und

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Keinen Tropfen verschütten

Zwei kleine Stimmen nennen sie Mama. Niemand nennt sie bei ihrem Namen. Sie trägt den Morgen wie eine volle Schüssel durch die dunkle Wohnung. Keinen Tropfen verschütten. Brote, Socken, Schlüssel, zwei müde Kinderkörper, die noch nach Träumen riechen, und ihr eigener, den sie in eine Bluse knöpft. Auf dem Küchentisch liegt der Tag in Spalten:

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Herbstmond

Der Altweibersommer veranlasst meist einen stabilen, trockenen und warmen Sommerausklang und eine gleichmäßige Wetterlage des Herbsteinfalls. Die Herbst-Tagundnachtgleiche folgt bis einschließlich des Jahres 2302 zwischen dem 22. und 23. September. In Österreich ist am 24sten Tag des Holzmonats jährlich der Rupertitag und am letzten Sonntag des Frühherbstmonats Tag des Denkmals. Der Wildmonat beendigt die Erntezeit

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Erste Stunde

Zwischen den Heftseiten raschelt der Hunger. An der Tafel ein Apfel aus Kreide. Niemand kann hineinbeißen. Im Staatshaushalt steht jede Null an ihrem Platz. Vor dem Kind fehlt das Brot. Die Glocke verlangt Aufmerksamkeit. Der Magen antwortet. Kein Kind soll in der Schule für unser Versagen büßen.

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Augustregen

Welch ein Segen bringt der Regen auf das ausgedörrte Land; still zieht er auf Feld und Wegen wie eine kühle, milde Hand. Die Erde trinkt mit dunklen Poren, der Staub verliert sein graues Kleid; was müd und matt schien und verloren, erwacht zu neuer Heiterkeit. Die Linden tropfen, Hecken glänzen, der Garten duftet tief und

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Sehnsucht!

Gedanken schweben… Gedanken schweben übers Meer. Verweht im Wind die innere Wehr. Hand in Hand das spüren der Zeit. Die Wellen plätschern in das Leid. Endlose Weite wärmt das Gefühl. Sanfter Wind wirkt frisch und kühl. Seele wünscht sich hier ein Nest. Ein letzter Blick hält Schönes fest. Bernd Tunn Tetje

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Hymne an den Pickel

Oh Schreck, oh Pein, oh großes Weh, als ich heut‘ in den Spiegel seh‘, was starrt mich an im gleißend Licht? Ein Pickel – mitten im Gesicht! Wo kommst Du her, mein neuer Gast? So sprich zu mir, Du süße Last. Kommst Du aus meiner Seele Grund? Und wirst Du größer, dick und rund? Die

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Ungelesene Nachricht

Die Kinder schlafen. Britt schließt leise die Tür und bleibt mit der Stille zurück. Im Wohnzimmer zieht sie die Couch auseinander. Das Gestänge knackt wie etwas, das zu lange gewartet hat. Sie streicht das Leintuch glatt auf der Seite, die leer bleiben wird. Das Telefon liegt schwarz auf dem Tisch. Unter dem Glas sammeln sich

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Augustlied

Der August geht durch Wald und Feld, mit Gold im Haar, mit Licht im Kleid; als wär die ganze müde Welt noch einmal schön für kurze Zeit. Die Brombeerhecke trägt so schwer, die Wespe taumelt süß berauscht; vom Hügel kommt kein Lärmen mehr, nur dass der Wind im Hafer lauscht. Am Bach steht still die

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Der Staat

Der Staat Die Zeit hat jetzt den Staat gegründet. Das Volk sind die Tage. Und es gibt das Parlament der Tage. Das Parlament wählt die Minister. Die Minister sagen, was im Land passiert. Und welche Zeit wichtig bleibt. Und was die Macht der Tage darf. Und was Reichtum zeigt. Und was Geist und Macht sagen.

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Die Boxhandschuhe

Das Leben. Das sind Boxhandschuhe. Nach einer Zeit sind sie stets da. Jeder steht mit ihnen auf. Lebt über den Tag mit ihnen. Fragt sie nach dem Leben. Was Kunst ist. Und Stille. Und Freude. Und nur der Kampf zählt. Die Antworten müssen warten. Der Kampf geht weiter. Jeden Tag. Bis zum Knockout. Boxhandschuhe auf

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Disco

Die Nacht – ein schwarzes Schachbrett, auf dem Lichter wie Könige tanzen und Menschen wie Bauern Zug um Zug geopfert werden. Die Musik hämmert, als wollte sie das Denken erschlagen, und jeder Schlag des Basses ist ein Takt im Metronom der Vergänglichkeit. Und irgendwo zwischen Rauch und Licht haucht Donna Summer „Love to Love You,

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