Herzwand/ teilweise atemlos

Jetzt, wo dein du mich triffst, jetzt wo deine Haut neben mir liegt, ein Pergament mit meinem Herzblut beschrieben, jetzt gehe ich unsere Wege zurück, die wir einsam gegangen sind. Tropfenweise reihe ich unsere Tränen wie Perlen auf die Kette. In meinem Gedächtnis bleiben die Buchstaben deines Namens haften, wie Klettverschlüsse, die man nicht mehr […]

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Außer Gebrauch

Die Münder offen. Die Augen geschlossen. Vier Hände unfähig, ein Glas zu halten. Unter dem Tisch zittern die Knie. Darüber scheitert jeder Satz an seiner ersten Silbe. Zwei Körper, über die Tischkante gefaltet. Für einige Minuten sind zwei Erwachsene zu nichts zu gebrauchen. Zum Glück.

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Wasser in der Sahara

Wie auch immer wir in Städte kommen – mit unterschiedlicher Stimmung, in verschiedenen Jahren, in unterschiedlichen Lebensphasen – manche von ihnen bleiben für uns genau gleich. Die Orte, die uns einmal berührt haben, gefallen uns weiterhin. Und diejenigen, die uns mit nichts Besonderem erreicht haben, bleiben einfach nur eine Veränderung der Landschaft vor unseren Augen.

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Otter Fluss

Der Strom der Zeit bahnt sich seine Wege, gemächlich still. Ich gleite dahin, zusammen mit dir jenseits der letzten Biegung. Schlieren halten dagegen, im Ufergebüsch, und drüben, im Spiegel der Bäume auf dem ruhigen Wasser, da grüßt die Welt, und ich grüße zurück. Unablässig weit sind meine Wege von den Quellen bis zur fernen Mündung,

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Parkdeck vier

Zwischen zwei Pfeilern rollt er den Schlafsack aus. Der Beton behält die Kälte auch im Sommer. Alle paar Minuten wandert Licht über sein Gesicht. Ein Wagen kommt. Ein Wagen fährt. Türen schlagen zu, Motoren tragen Menschen fort. Er zieht die Knie bis an die Brust und legt die Hände dazwischen. Gegen Morgen springt irgendwo eine

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Des Sommers Krone

Der August zieht ins Land herein, des reifen Sommers Krone; auf Korn und Obst fällt goldner Schein der hohen, warmen Sonne. Die Ähren neigen schwer ihr Haupt, der Wind durchstreicht die Weiten; schwarz glänzt die Frucht im Brombeerlaub und kündet späte Zeiten. Der Mäusebussard kreist im Blau hoch über reifen Feldern; am Morgen liegt der

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Augustkrone

Der August ziehet ein und bringt des Sommers Krone; sein goldner, warmer Schein ist die gereifte Sonne. Die Ähren, schwer und dicht, verneigen sich der Erde; im späten Mittagslicht wird Fülle zur Gebärde. Am Hag wird schwarz und schwer die Brombeerfrucht im Laube; die Wespe kreist umher im Duft der reifen Traube. Der Mäusebussard zieht

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Nach dem Regen

Mitten im Satz bleibst du stehen. Auf dem Asphalt eine Schnecke, ihr Haus kaum größer als dein Daumen. Du hebst sie auf, trägst sie ins Gras und wartest, bis sie ihre Fühler wieder zeigt. Dann sprichst du weiter, genau dort, wo du aufgehört hast. Ich weiß später nicht mehr, wovon du erzählt hast. Nur noch,

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HERLICEK – TSUNAMI IM FREIBAD

Die Sonne kocht wie Marmelad. Herlicek nutzt das Badewetter und weilt im noblen Stadionbad mit reichlich Jause, so ist’s netter. Er stopft sich rein das schwere Essen: Schweinsbraten, Grammeln und viel Brot. Nur auf Bewegung nicht vergessen! – die Waage ist schon aus dem Lot. Plötzlich schreit einer: „Tsunami! Alle raus aus dem großen Becken!

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Schluchten aus Metall und Mut

In Schluchten, wo sich Rauch und Morgen mischen, geht Pegasus auf Wegen, die im Dunkel zischen. Aus Staub und Atem sanft geformt sein Leib, ein leises Echo, das im Wind verbleibt. Sein Hufschlag hallt wie ein verlor’nes Zeichen durch Welten, die dem grauen Stahl nun weichen. Er sucht kein Reich, das oben hell erglänzt, nur

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Einsamer Tod

-Fiktion – Vereinsamter alter Mann brach daheim zusammen, erlitt schweren Herzinfarkt. Unsichtbare eiserne Faust drohte flimmerndes Herz zu zerquetschen. Der Schmerz war unsäglich, die Atemnot quälend. Hilflos lag er am Boden, am Kopf eine vom Sturz verursachte Platzwunde, deren Blut sein Gesicht mit Rinnsalen bedeckte. Röchelnd hauchte er sein schicksalhaftes Leben aus. Keiner bemerkte sein

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Im Stand

Du stellst den Motor ab. Unter den weißen Lampen liegt die Raststätte wie ein offener Gerätekasten. Beim Aussteigen geben die Knie zu spät nach. In den Waden summen noch zweihundert Kilometer. Der Kaffee fällt in einen Pappbecher. Deine Hand hält ihn ruhig, doch an der Oberfläche zittert die Straße weiter. Du stehst zwischen Lastwagen, Mülleimern,

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Vieraugengespräch

Weil jeder seine eigene Meinung hat, findet ein Gespräch unter vier Augen statt. Man will die Schwierigkeiten überwinden und einen gemeinsamen Nenner finden. Jeder redet nun auf den anderen ein, will mit seiner Ansicht der Klügere sein. Hält hieran dann ohne wenn und aber fest, sich auch keinen Deut hiervon abbringen lässt. Erst wenn jemand

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Am Weiher

Der Weiher ruht. Kein Hauch bewegt das dunkle Bild im Wasserspiegel; nur eine Birke neigt sich leis, als trüge sie ein altes Siegel. Das Schilf bewahrt den stillen Grund, den keines Menschen Blick erreicht. Was unter grünen Wassern schläft, hat längst der Zeit sein Recht enteilt. Ein schmaler Pfad am Ufer hin, vom Moos und

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Die Heimkehr

Nicht Stein allein und Dach und Baum begründen eines Menschen Leben; erst was er liebte, litt und trug, kann einem Orte Heimat geben. Der stille Weiher ruht im Licht, die Birken stehen stolz und helle; sie kennen weder Glück noch Leid, doch mahnen sie an ew’ge Quelle. Das Haus dort fern am grünen Rain ist

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Am stillen Weiher

Der Abend liegt auf Feld und Rain, die Birken stehen bleich und stille; vom fernen Haus fällt matter Schein hinüber auf des Weihers Fülle. Kein Vogelruf, kein Schritt erklingt, nur Schilf bewegt sich an den Rändern; ein kühler Hauch vom Wasser dringt durch Gras und dunkle Uferländer. Der schmale Pfad, vom Tau benetzt, führt heimwärts

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Heimweg am Weiher

Am Ufer steht die Birke weiß, der Abend liegt auf Gras und Steinen; im dunklen Wasser schwimmt der Himmel, als müsse er um gestern weinen. Das Haus dort hinter Busch und Rain trägt still sein Dach durch Jahr und Wetter; noch rauscht im Hof der alte Brunnen, noch zittern an der Tür die Blätter. Ein

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