Übermalung

Fünf Jahre lang trocknete die Zukunft in dünnen Schichten: weiße Säle, Blitzlicht, der eigene Name im gedämpften Raunen. Dann ein grauer Umschlag, höflich verschlossen. Ein paar Sätze, leicht genug für ein Blatt, schwer genug, alle Farben kippen zu lassen. Unter dem Dach wartete das Bild. Plötzlich traten daraus hervor: die Mühe, die Enge, der schlecht

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Hausordnung für Besucher

Liebe(r) Besucher, Dieses Haus hat keine Ordnung. Es ist Staub auf den Schränken, Hundehaare in den Ecken, Fingerabdrücke auf den Fenstern, Werkzeuge, für offene Baustellen, Spielzeuge überall. Wenn Du das siehst und dich unwohl fühlst, darfst du jederzeit gehen und nie wieder zurückkehren. Du hast Erwartungen, wie wir LEBEN SOLLEN, die wir nicht erfüllen WOLLEN.

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Wie ein leiser Strom

Ein Wort genügt, um Licht zu schenken, ganz ohne Prunk, ganz ohne Schein. Man muss Gedanken gar nicht lenken, sie dürfen einfach nur wahr sein. Wer Gutes tut, macht es oft leise, ein lautes Urteil aus der Welt. Die Stille reicht auf ihre Weise, die tröstend uns zusammenhält. Was zählt, ist nie der fremde Sinn,

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Die missglückte Rede

Ein Mensch rhetorisch ganz gezielt, eine flammende Rede hielt, sich zum Wortakrobat machte, Weisheiten an den Mann brachte. Nur Neunmalkluges er erzählte, das Trommelfell der Hörer quälte. Obwohl mancher die Worte toll fand, dennoch keiner sie so recht verstand. Sehr schnell hat man dann kapituliert, das Geschwafel war zu kompliziert, die richtige Entscheidung fällte, seine

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Die Liaison

Ein Igel auf Freiersfüßen wandelte und mit einem kessen Schwein anbandelte. Der süßen Sau dann Komplimente machte, so seine Verliebtheit zum Ausdruck brachte. Da das Schwein von dem Werben angetan war, wurden die Beiden im Nu ein Liebespaar. Eine wunderbare Liaison anfing, ihr Himmel natürlich voller Geigen hing. Sie hatten nur noch Augen für sich

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Überschätztes Können

Auf den wichtigsten Posten sitzen häufig Vollpfosten, die vor nichts zurückschrecken und den Eindruck erwecken, selbst sehr brisante Themen rasch in Angriff zu nehmen. Und hoffen, dass es gelingt, man großen Erfolg erringt. Doch im realen Leben, wenn´s schwierig wird, aufgeben. Versprechen oft nicht halten, dabei den Grips ausschalten. Sich dennoch arg aufblasen, antworten meist

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Acht Stunden

Zum ersten Mal blieb die Nacht ohne Auftrag. Kein Husten zog an den Nerven. Kein Hilferuf musste aus dem Schlaf gehoben werden. Der Körper fiel in acht dunkle Stunden, schwerelos, unbewacht. Am Morgen war das Gesicht trocken, der Atem still. Die Trauer kam, legte zwei Finger an diesen Frieden und zog die Hand zurück.

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Aufenthaltsort

Die Frau wohnt nachts in einem Bus. Alle siebenundvierzig Minuten kommt ihre Wohnung am selben Bahnhof vorbei. Sie kennt jede Kurve, die Ampel mit dem langen Rot, das Geräusch der Türen vor dem Öffnen. Manchmal steigt ein Kontrolleur ein. Dann zeigt sie ein gültiges Ticket für eine Fahrt, die nirgends enden darf. Um vier Uhr

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Spätlese

Ich kam spät. Der Sommer war schon außer Atem. Die Kinder nicht. Sie rannten durch meinen Schatten, ihr Lachen blieb zwischen meinen Blättern hängen. Eis schmolz in mein Gesicht. Auf dem Gartentisch grinsten Melonen mit schwarzen Zähnen. Musik sprang aus offenen Fenstern. Der Wind probierte die Hemden an. Jetzt klettert die Kühle meinen Stängel hinauf.

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Der Geduldsfaden

Die Ungeduld geht dir oft auf den Geist, so dass dir nun der Geduldsfaden reißt, den du mit deiner arg stressigen Last, ganz gewaltig überstrapaziert hast. Dennoch solltest du jetzt nicht aufgeben, weiterhin deine Ziele anstreben. Dich immerzu ruhig und gelassen, deiner gestressten Lage anpassen. Wenn du den Faden durchs Nadelöhr ziehst, alle Belastungen nun

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Die Null

Menschen, die nie was auf die Reihe kriegen, werden Nieten und Versager genannt, nicht im Trend der Leistungsgesellschaft liegen und sind als nutzlose Nullen bekannt. Doch wer Nullen mit den Nutzlosen gleichsetzt, hat sich mathematisch gründlich geirrt, den Sinn der Nullen hochnäsig unterschätzt und schon die Grundrechenart nicht kapiert. Das Nullen daher keineswegs nutzlos sind,

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Lichtstreifen

Heute will er sein Leben erklären! Warum er Blumen auf dem Tisch mag! Warum er die Wände mit Herzen bemalt! Warum er Wege in die Stille schreibt! Warum ein Kuss das Leben retten kann! Er sagt sich einfach: „Liebe!“ Heute will er seine Kunst erklären! Warum er Clowns in jedem Plan findet! Warum er Reisen

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Inselfahrt!

Postmanns Pflicht! Inselfahrten Postmanns Pflicht. Dunkel doch nimmt die Sicht. Mystik schwebt um den Kahn. Ungut lebt den dunklen Wahn. Schiff versinkt bei tiefer Ruhe. Leise dümpelt Schiffers Truhe. Diesmal geht es nicht zurück. Ein neues Kreuz so bedrückt. Bernd Tunn Tetje Bild: Bing KI

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