Leben

Was haben Sie denn so im Frühling erlebt Oder Hat nur der Winter in Ihnen weitergebebt? Kennen Sie schon Ihr Sommergesicht Oder Übersehen Sie einfach die Schrecken in Spiegeln? Bewahren Sie sich Ihr inneres Kind gut auf Oder Wollte das Leben Ihnen nur Vergehen geben? Haben Sie sich mit Ihrer Herbstwahrheit versöhnt Oder Halten Sie

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Masche für Masche

Bis zum Briefkasten kostest du mich den Saum. Bis zu dem Wagen, der seit Tagen falsch parkt, die linke Seite. Ich wusste nicht, wie viel Straße in einen Pullover passt. Du gehst ganz gewöhnlich. Weichst einer Pfütze aus. Lässt jemanden vorbei. Hier rutscht mir der Ärmel von der Schulter. Ich hebe ihn an wie etwas,

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Der kleine Thron

Auf Stühlen aus Papier und Zeichen erhebt sich stumm ein kleiner Thron. Wo freie Gedanken langsam weichen, setzt er für alle seinen Ton. Wer anders denkt, wird abgewiesen, sein Einwand zählt schon lang nicht mehr. Nur was sich fügt, wird laut gepriesen, das macht den Widerspruch so schwer. . Man setzt die Regeln nach Belieben,

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Geteilte Sonnen

Der Körper. Er will andere Spiele. Der rechte Arm hackt Holz. Fegt den Hof. Putzt das Haus. Pflanzt Rosen. Erntet Äpfel. Pflegt den Rasen. Kauft in der Stadt ein. Backt Kuchen. Weckt Geld und Sekt. Sieht Hände wie Feste. Und trinkt Kaffee. Und hat Kekse für das Leben. An jedem Tag! Der linke Arm bleibt

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Grundierung

Nach der Beerdigung des Vaters streicht er den Flur. Die Bleistiftstriche verschwinden unter drei Schichten Weiß. Nur die Acht kommt wieder, dünn und grau. Hinter ihm das langsame Ziehen des Gürtels aus den Schlaufen. Sein Rücken wird wieder acht.

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Choreografie

Wir übten das Vorübergehen, bis es wie Zufall aussah. Die Schultern im richtigen Winkel, der Blick eine Sekunde zu früh zur Seite. Als der Satz seinen Einsatz hatte, vollführten wir dieselbe saubere Drehung. Kein Zögern. Kein Fehler. Nur der Abstand gelang uns jedes Mal.

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Der Funke in dir

Du musst noch bleiben, musst bestehn, denn deine Flamme darf nicht gehn. Du trägst ein Licht, das leise brennt, das dich in allen Tiefen kennt. Du bist kein Schatten, keine Spur, du gehst nach deiner eignen Uhr. Dein Wesen leuchtet, weit und sacht, trotz aller Last und dunkler Nacht. Erspür, was in dir weiter glüht,

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Passform

Die Angst nimmt Maß. Schulterbreite. Blickhöhe. Tiefe des Schweigens. Die Maske passt nicht. Noch nicht. Also wird das Gesicht zurechtgedrückt, der Mund begradigt, der Zweifel entfernt. Dann sitzt sie. Fest genug für den Gleichschritt. Leicht genug, um das Gewissen nicht zu drücken. Am Ende jubelt die Menge über ihre Verwandlung und jedes Gesicht ist die

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Einverleibt

Ein Splitter steckt im Fleisch. Die Muschel schließt ihre gerippte Faust um das, was sie nicht haben will. An der scharfen Stelle setzt sie ihr Innerstes ab: Perlmutt, Schicht um Schicht ein erhärtetes Nein. Das Fremde bleibt. Um seine Kanten wölben sich die Jahre. Grün läuft über Rosa, verliert sich in milchigem Blau. Keine Farbe

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Schluck

Ich möchte diese Emotion nicht verlieren – diese Emotion, wenn das Licht auf die Blätter der Bäume fällt oder die Äpfel berührt. Solange ich das noch fühlen kann, bin ich in mir noch lebendig. Jeder Mensch prüft auf seine eigene Weise, ob er noch fähig ist, lebendig zu sein. Nicht in großen Ereignissen, sondern ganz

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Falten aus Schweigen

Ein schweres Tuch, aus Angst und Schuld gewebt, legt sich auf den, den fremde Blicke meiden; es nimmt ihm Raum, bis kaum noch etwas lebt, und lässt ihn tief in stiller Kälte leiden. Die Blicke fallen wie ein gefrorener Stein, die Stimmen schneiden, ohne aufzuschreien; was gestern Nähe war, wird plötzlich Nein, und Türen schließen

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Mit wem?

Wenn du einmal eine Frau hast, sagt sein Vater und reicht ihm die Kartoffeln. Er ist siebzehn. Unter dem Tisch drückt er beide Füße auf den Boden. Seit Wochen erzählt er von einem Menschen nur in Sätzen, die ohne Fürwort auskommen. War schön. Waren am Fluss. Komme später. So viel Grammatik für eine Hand, die

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Vor dem Frost

Der Frost wird wiederkommen. Heute werden die jungen Bäume eingewickelt. Unter der Rinde ruht der nächste Frühling noch verletzlich. Noch passen ihre Schatten zwischen zwei Hände. Wer sie schützt, wird unter ihren Kronen vielleicht nie sitzen. Eines Tages wird in diesen Ästen ein Sommer rauschen, der nichts mehr weiß von den Händen vor dem Frost.

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Vertrauen

Meinem Bäuchlein kann ich trauen, bin gesund noch anzuschauen. Ich folge keinem Schönheitswahn, drum ess ich, was ich essen kann. Und ein Schnaps hilft beim Verdauen! Meinem Bierchen kann ich trauen, ganz tief in das Gläschen schauen. So fließt es in die Kehle ein, schmeckt besser als vom Vater Rhein. Teil es auch mit manchen

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Bürde

Wir alle tragen unsere Last auf den Schultern, jeden Tag, bis am Ende das Rückgrat bricht. Wir lachen in die Welt hinein, bis uns die Nachricht erreicht und der Schrecken im Gesicht eingefroren stehen bleibt. Deine warme Hand beruhigt mich, wenn du sie ausstreckst und mir in die Augen schaust. Ein kleines Nicken, wir verstehen

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Unverlangt

Du hast mir den schönsten Satz aus deinem Traum aufgehoben. Dabei war ich nicht einmal darin. Jetzt dieser Überschuss mitten am Dienstag. Ich gehe zur Haltestelle und könnte jedem Umweg etwas abgewinnen. Sogar das Warten darf dauern. Ein Bus fährt vorüber. In seinen Scheiben zieht der Himmel mit. So viel, das mir nicht gehört und

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