Der vorgezeichnete Pfad

Zwischen Hobelbank und Grenzverlauf hielt dich dein Lebensfaden auf. Die Werkstatt roch nach Holz und Leim, als sollte sie dein Schicksal sein. Die Schule lag im fahlen Grau und jeder wusste es genau: Du brauchst kein Wissen, keinen Traum, nur füge dich dem engen Raum. Wer dennoch nach dem Warum gefragt, ward bald schon leise […]

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Die Ballade vom Traumhändler

Es kam ein Mann mit Aktenmappe, der sprach charmant, ganz ohne Klappe: „Ich bringe Freiheit, Glück und Sinn – man muss nur kaufen, das bringt Gewinn!“ Er zeigte Bilder, bunt und glatt, ein Leben das kein Warten hat. Ein Ring, ein Sofa, ein Gerät, das die Arbeit für dich tät’. „Die Waschmaschine denkt für dich

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Undank

Oft schleppt ein Esel ohne Rast, eine gewaltig schwere Last und wird, macht er mal schlapp beim Tragen, zum Dank dafür auch noch geschlagen. Hält ein Esel, der mit ganzer Kraft tagein und tagaus brav geschafft, plötzlich mit Jüngeren nicht mehr Schritt, dankt man es ihm mit dem „Eselstritt.“ Ob Mensch oder Esel, es bleibt

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Der Winter überlegt!

Der Winter, der Winter, hat plötzlich beschlossen: „Es wird jetzt gefroren – der Sommer ist flossen.“ Er rüttelt am Fenster, er schüttelt die Tür, als sagte er streng: „Ein bisschen Manier!“ Er malt an die Scheiben Kristalle mit Schwung und denkt dabei heimlich: „Wie herrlich – wie jung!“ Er friert uns die Nasen, er knackt

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Der Winter kommt

Der Winter, der Winter, zieht leise ins Land, mit silbernem Schleier und frostiger Hand. Er rüttelt am Tore der nächtlichen Welt, dass träumend der Himmel sein Sternenzelt hält. Er streift durch die Wälder, durch Hügel und Tal, lässt schweigend erstarren das rauschende Mahl. Er haucht an die Fenster sein flüchtiges Bild, bis innen das Kerzenlicht

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Im Werk des Winters

So ordnet sich die kalte Macht, nicht hart – nur klar in ihrer Nacht. Sie nimmt zurück, was überstand, und legt es still in ihre Hand. Was zu viel war im lauten Licht, verliert im Frost sein Übergewicht. Die Felder schweigen weit und rein, und lernen wieder Maß zu sein. Denn was der Winter leise

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Beratung der Schneegänse

Die arktischen Schneegänse verließen Flur und Feld. Sie hatten offenbar beschlossen: „Hier ist es doch zu kalt für Welt.“ Der Wind war streng, der Teich war hart, der Bauer murrte leis. Da sprach die Gans: „Man reist, bevor man ganz vereist.“ Sie ordneten sich schnatternd ein, in wohlerprobter V-Formation. „Der Frühling kommt? – Mag sein.

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gleich alt

Meine Puppe ist in die Jahre gekommen. Sie sitzt am Fenster im Sonnenlicht. Verfilzt das Haar, ein Auge erlischt. Doch hat ihr die Zeit nicht das Lächeln genommen. Ihr Kleid ist müde – Motten fraßen dran. Die Säume dünn, der Stoff schon zernagt. Er hat sich stumm durch die Jahre geplagt. Das Kleid hält trotzdem,

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Don Enno im Licht.

Don Enno sitzt im Licht, klein von Maß, groß von Selbstverständnis. Der Körper ruht, der Blick bleibt. Er trägt keinen Ernst, er ist ruhig. Das Maul offen, nicht zum Biss, sondern zum Loslassen. Was nach Angriff aussieht, ist Müdigkeit. Was nach Stärke riecht, ist Vertrauen. Don Enno stellt sich nicht dar. Er ist da. Auf

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Du wusstest es

Als ich dich sah, verstummte mir das Wort, als hätte sich die Zeit in dir verdichtet. Ein Augenaufschlag: ich ergab mich dir sofort. Du hast mein Herz mit deinem Blick belichtet. Ich stand und wusste nicht mehr, wer ich war, nur dass dein Blick mich durch und durch erkannte. So nah warst du, und doch

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Die Leihgabe

Die Leihgabe Gott sprach: „Hier, ein Garten – klein, doch mein, dieses Kleinod will ich euch reichen, pflanzt, pflegt, wandelt weise, erkennt das Geschenk, die Gabe aus Gnade.“ Der Mensch nahm – in Eile, griff mit gieriger Hand, baute Mauern, schuf Maschinen, Grenzen, Waffen, Beton. Vergaß das Lied der Erde, verlor den Blick fürs Ganze.

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Goldene Schatten

Geld rinnt wie Wasser durch die Hand, glänzt einen Augenblick – wird Sand. Es lockt mit Träumen, schrill und grell, doch bleibt im Kern nur flüchtig, schnell. Man jagt ihm nach, verliert die Spur, vertauscht die Freiheit gegen die Uhr. Das Konto wächst, das Herz wird klein – wie kann Besitz nur Befreiung sein? Die

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Warten auf den Morgenwind

Am ersten Hauch des Tages stand ich am stillen Meer. Die Nacht verließ ihr dunkles Lager, und ihre Last war nicht mehr schwer. Ich warte auf den neuen Himmel, auf Wege, die noch unbenannt, auf Wellenlicht, das neu nun schimmert und Sonne, die mich wiederfand. Spürst du, wie sich die Welt erhebt, wenn leise Frühling

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Hände im Zwielicht

Ich träumte Nächte voller Klang, von Stimmen, laut und lebenslang. Doch draußen hör ich Schritte gehen, die Straßen beben, Städte stehen. Die Nachrichten verkünden: „Alles gut“, doch irgendwo noch brennt die Glut. Zu viele Menschen, leer und kalt, die Seele sucht nach festem Halt. Dies ist das Land aus Licht und Schatten, wo wir uns

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Partybesuch

Auf einer Party man meist Leute entdeckt, die „genussvoll“ essen, was ihnen nicht schmeckt, außerdem mit anderen konferieren, obwohl diese sie nicht interessieren. Dabei es sich größtenteils um Themen dreht, von denen keiner das Geringste versteht. Auch wenn man sich rein gar nichts zu sagen hat, finden die ausgiebigsten Gespräche statt.

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Hoffnungen

Dichter vereinigt euch, die Welt gehört der Menschheit, Künstler malt gemeinsam, und ihr Musiker spielt das Lied von unserem Morgen. Schreiben wir alle die alten Worte gegen dunkle Mächte, finden wir uns zusammen in neuen Gedichten, sprechen wir gemeinsam, denn die Wahrheit bahnt sich immer noch einen Weg durch das Dickicht all dieser Lügen, Freiheit

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Umami

In Mimik deiner Augen Drehen Gedankenkarussele die Körpersprache emotionaler Explosionen. Wie am Meer nur mit einem Zwinkern das Blinzeln von der Sonne hinterlassen, mach die Augen zu oder tauche in die Wassertiefe, Wie die Früchte für Sekunde ihren Saft auf der Haut verlassen, Wische weg oder falle in die Zitronensäure, Ob Zitronen süß sein könnten

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Der Poet

Im Rinnsal der Zeiten, in Träumen versenkt, lauscht er dem Flüstern, das niemand erkennt. Ein Tropfen aus Dämmer, ein Funken aus Nacht – er trägt sie ins Lied, das heimlich erwacht. Er webt aus dem Schweigen ein zartes Gespinst, aus Schatten der Seele, aus Staub alter Wege. Er horcht auf das Wispern der Welten im

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