Innere Jahreszeit

Der Winter arbeitete gründlich. Er schnitt die Tage kahl, legte frei, was bloß Gewohnheit war. Die Kälte nahm allem die Milde, verdunkelte den Blick, ließ nur gelten, was standhielt. Doch selbst unter Schnee vergaß etwas in mir nicht, wie Frühling geht.

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Asche im Neonlicht

Die Nacht – ein schwarzes Feld, auf dem Lichter zucken und Menschen gesetzt werden wie Figuren ohne Wert. Die Musik hämmert. Nicht laut – sondern unerbittlich. Ein Bass, der tiefer geht als jedes Wort. Schönheit flackert auf in Gesichtern, als hätte das Neon sie nur ausgeliehen, doch hinter der Schminke nur ein Blick, der niemanden

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Neonkäfig

Im Käfig der Nacht, wo Neon die Sterne ersetzt, verkauft sich die Seele für Takte aus Stahl. Gesichter wie polierte Scheiben, maskiert von Schminke und Pose, sprechen in Dialogen ohne Gewicht – ihr Lachen klingt wie Münzen, die in dunkle Schächte fallen. Die Superfrau – ein Idol aus Reklame, glänzend, unverwundbar, doch hinter der Fassade

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Rückflimmern

Eines Tages wird mein Leben in mir zurückflimmern, Bild für Bild wie Staubpartikel im Licht eines alten Projektors. Nicht die Tage werden bleiben, die sich sauber erzählen lassen, an denen alles funktionierte, und niemand stolperte. Bleiben werden eher die aufgeschlagenen Knie. Am Ende zählt nicht, wie behutsam ich gewesen bin, sondern ob ich gebrannt habe

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Himmelskörper

1 Du magst der Himmelskörper Bahn entworfen haben, doch sie weiß, wir habn die Wahl und kein Geheiß von Dir und dies ist nicht Dein Plan, nein, dies ist nicht Dein Plan. Du magst wenn´s auf der Erde Nacht ist, handeln wollen, doch sie glaubt, Du wirkst durch den nur, der´s erlaubt, und hast an

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Schattenwurf

Ein kahler Raum, vom Mond gestreift, wo keine Hand mehr nach ihm greift. Das Gestern liegt wie Staub im Licht, das durch die hohen Fenster bricht. Was bleibt, ist nur ein matter Ton, ein Flüstern aus der Illusion. Und in der Stille der tiefen Nacht verliert die Seele ihre eigene Macht.

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No Future – die Lüge

„No Future“ – einst ein Punkparolen-Schrei, doch heute wirkt er leer und einerlei. Ein Slogan, laut, doch längst verflogen – der ist – wie vieles – verlogen. Auch wenn das Leben dich hart trifft und jede Hoffnung ist nur Pflicht, auch wenn du dich verloren fühlst und Schmerz dein Innerstes durchwühlt – es muss doch

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Xenokratie

Ihr nennt es frei, ihr nennt es Staat – doch wer bestimmt, was Gültigkeit hat? Wer lenkt die Worte, die wir lesen, wer formt das Bild von Welt und Wesen? Es sind nicht Ketten, nicht das Schwert, das unser freies Denken still verwehrt. Es sind Institutionen, die uns formen, Medien, die Gedanken normen. Es sind

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Unsichtbar und nah

Ich lebe in einer Welt aus Glanz und Lärm, doch mein Herz bleibt dem Unsichtbaren warm. Nicht Geld, nicht Macht, nicht schneller Gewinn – mein Glaube trägt, wo ich selbst nur bin. Man nennt mich träumerisch, vielleicht naiv, doch ich weiß, was mich im Innersten rief. Wenn alles fällt, bleibt er mein Licht: ein Gott,

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Der DDR-Musiker und ich

Ich fahr am Abend durch die Stadt, die Straße glänzt, ist feucht und glatt. Ein DDR-Musiker winkt mir zu, ich halte – und nehme ihn mit im Nu. Wir fahren Richtung Hotel Strauß, die Stimmung ruhig, fast wie zu Haus. Auf einem Parkplatz, still und leer, reden wir – das wiegt umso mehr. Er sagt,

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Der einsame Vampir

Wenn ich erwache, stehen die Sterne günstig. Es ist Mitternacht, mein Herz schlägt unruhig. Ich steig aus meinem Sarg, die Zähne noch zu schärfen, schleiche durch den Park, alle schlafen, keiner merkt es. Da sitzt ein junges Mädchen, ihr Atem tanzt im Mondlicht. Ich möchte sie nicht verletzen, nur teilen, was in mir brennt. Ich

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Vorurteile zur Zeit

Es klingt neu, doch alt ist das Geschehen, wie Menschen voreilig im Urteil stehen. Wer keinen Job hat, gilt schnell als faul, wer anders denkt, der stört die Moral. Wer leise lebt, den nennt man schwach, wer widerspricht, der sucht den Krach. Wer Leder trägt, sei voller Gewalt, wer sich still verhält, wirkt schon kalt.

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Zwischen Gassen und Gewitter

Ich liebe Städte, ihr Flüstern im Wind, die flackernden Lichter, das Leben ist geschwind. Doch manchmal, ganz leise, zieht etwas mich fort— ein Schatten, ein Schrei, ein verstörter Ort. Ein Sonntag, verregnet, im Spätsommergrau, wir fuhren durch Straßen – kein Himmelsblau. Ein Viertel, das fluchte in rostigem Ton, wo Hoffnung zerbrach und Misstrauen wohn’. Ein

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Frühling der Prüfung

Die Wahrheit treibt Knospen im jungen Licht, doch wird sie im Tau leicht gebogen; wo jeder den Sinn nach Belieben verspricht, ist mancher vom Wege gezogen. Die Macht keimt leise im blühenden Grund, wo Widerspruch zaghaft verklingt; kein rauer Wind geht mehr offen und kund, wenn Ordnung sich selbst überringt. Die Ordnung erwacht aus winternder

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Monatseindrücke

März, benannt nach Mars, ist der Monat des Ackers, des Pferdes und des Trocknens der nassen Erdschollen. April, abgeleitet von lateinisch aperire „öffnen”, heißt der Monat des Aufblühens, des Grases und des Hirten. Mai, bezeichnet nach Maius, betitelt den Monat der Mutter, des Esels und der Blumen. Juni, benannt nach Juno, ist der Monat der

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Abendstimmung

Noch geht die Sonne auf und auch wieder unter, noch öffnet sich der Wasserhahn und schenkt uns das köstliche Nass, noch haben die meisten von uns ein Dach über dem Kopf, noch findet sich Essen auf dem Tisch, und der Arbeit gibt es noch und nöcher. Am Abend fragt man sich, ob man den Morgen

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Immer positiv bleiben

Im Leben läuft nicht immer alles streng nach Plan, denn manches Geplante gerät rasch aus der Bahn. Ärger und Enttäuschung nicht zu vermeiden sind, der stressige Aufwand nun von vorne beginnt. So sollte man jetzt auf keinen Fall verzagen, sondern selbstbewusst neu anzufangen wagen, bittere Enttäuschungen außen vorlassen, Erforderliches mutig ins Auge fassen. Nur wer

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Wenn alle Stricke reißen

Ein Mensch hadert riesig mit dem Leben, seine Lebensplanung ging daneben. Will nun seelisch nicht mehr länger leiden, drum kurzfristig aus dem Leben scheiden. Doch sollten jetzt alle Stricke reißen, muss er in den sauren Apfel beißen und den Gedanken, sich aufzuhängen, endgültig aus seinem Kopf verdrängen. Zwar ist dieser Mensch etwas sensibel, aber dennoch

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