Hymne an den Pickel

Oh Schreck, oh Pein, oh großes Weh, als ich heut‘ in den Spiegel seh‘, was starrt mich an im gleißend Licht? Ein Pickel – mitten im Gesicht! Wo kommst Du her, mein neuer Gast? So sprich zu mir, Du süße Last. Kommst Du aus meiner Seele Grund? Und wirst Du größer, dick und rund? Die

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Ungelesene Nachricht

Die Kinder schlafen. Britt schließt leise die Tür und bleibt mit der Stille zurück. Im Wohnzimmer zieht sie die Couch auseinander. Das Gestänge knackt wie etwas, das zu lange gewartet hat. Sie streicht das Leintuch glatt auf der Seite, die leer bleiben wird. Das Telefon liegt schwarz auf dem Tisch. Unter dem Glas sammeln sich

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Augustlied

Der August geht durch Wald und Feld, mit Gold im Haar, mit Licht im Kleid; als wär die ganze müde Welt noch einmal schön für kurze Zeit. Die Brombeerhecke trägt so schwer, die Wespe taumelt süß berauscht; vom Hügel kommt kein Lärmen mehr, nur dass der Wind im Hafer lauscht. Am Bach steht still die

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Der Staat

Der Staat Die Zeit hat jetzt den Staat gegründet. Das Volk sind die Tage. Und es gibt das Parlament der Tage. Das Parlament wählt die Minister. Die Minister sagen, was im Land passiert. Und welche Zeit wichtig bleibt. Und was die Macht der Tage darf. Und was Reichtum zeigt. Und was Geist und Macht sagen.

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Die Boxhandschuhe

Das Leben. Das sind Boxhandschuhe. Nach einer Zeit sind sie stets da. Jeder steht mit ihnen auf. Lebt über den Tag mit ihnen. Fragt sie nach dem Leben. Was Kunst ist. Und Stille. Und Freude. Und nur der Kampf zählt. Die Antworten müssen warten. Der Kampf geht weiter. Jeden Tag. Bis zum Knockout. Boxhandschuhe auf

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Disco

Die Nacht – ein schwarzes Schachbrett, auf dem Lichter wie Könige tanzen und Menschen wie Bauern Zug um Zug geopfert werden. Die Musik hämmert, als wollte sie das Denken erschlagen, und jeder Schlag des Basses ist ein Takt im Metronom der Vergänglichkeit. Und irgendwo zwischen Rauch und Licht haucht Donna Summer „Love to Love You,

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Wasser in der Sahara

Wie auch immer wir in Städte kommen – mit unterschiedlicher Stimmung, in verschiedenen Jahren, in unterschiedlichen Lebensphasen – manche von ihnen bleiben für uns genau gleich. Die Orte, die uns einmal berührt haben, gefallen uns weiterhin. Und diejenigen, die uns mit nichts Besonderem erreicht haben, bleiben einfach nur eine Veränderung der Landschaft vor unseren Augen.

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Tränenweg…

Tränenweg… Sie geht gerne diesen Weg. Für all die Tränen angelegt. Wind spielt sanft in der Luft. Über Gräber Herbstzeitduft. Bedenkt so viel in der Stille. Ruhiger wird der Eigenwille. Bernd Tunn Tetje Bild: Bing KI

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Keine Werkseinstellung

Sie sagen: Die Werte gehen verloren. Als hätte die Gegenwart beim letzten Update etwas Wichtiges gelöscht. Aber vielleicht wurde nur sichtbar, wie wenig davon je installiert war. Mitgefühl mit Stummschaltung. Tierliebe bis zum Preisschild. Ehrlichkeit, solange das eigene Konto nicht mitliest. Wir nennen es Haltung, solange sie uns nicht verändert. Und Tradition, wenn niemand fragt,

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Der Schein der schimmernden Welt

Einst im Rauch verbrannter Wünsche, heute im Schaum bitterer Gärung. Ein Grat, so schmal wie der Nachtnebel, ein Leben im Schlingern der Gezeiten. Wir tanzen im Diktat der Mode, hetzen dem fremden Takt hinterher, wähnen uns frei im eigenen Geist, während ein Echo den Kurs bestimmt. Das echte Leben – ein ferner Garten – verschlossen

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Nachwelt

Zurück blieb die Form eines Fußes. Der Mensch war längst anderswo. Die Flut legt Wasser in seine Abwesenheit. Wenig später: winzige Tiere in der Tiefe eines Schritts. Was eben noch einen Menschen bedeutete, wird für anderes zur Welt.

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Augustabend

Der August liegt auf Feld und Rain, so satt, als müsst es ewig sein; das Korn ist schwer, die Luft ist lind, nur manchmal geht ein kühler Wind. Die Brombeerhecke, schwarz und voll, weiß längst, was bald geschehen soll; die Wespe trinkt am süßen Saft, als gäb es morgen keine Kraft. Am Wege steht die

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Mittagsruhe

Der Nachbar legte das Ohr an die Tür von Nummer sieben. Ich blieb eine Stufe über ihm stehen. Er horchte, bis es drinnen einmal hustete. Dann stellte er eine Schüssel Suppe auf die Matte und ging. Ich setzte jeden Schritt dorthin, wo die Stufen nicht knarrten.

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Die Schönheit in der Nacht

Es scheint, als wäre die Welt entstellt, kein Glanz, kein Ort, der noch gefällt. Die Farben blass, das Licht verzerrt, der Blick auf Schönheit bleibt verwehrt. Man sucht nach Flucht, nach einer Spur, durch Risse in der Kreatur. Es brennt im Herzen, man will schrei‘n, doch Tränen sickern still hinein. Und doch – im Schatten

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Schlagermusik

Schlagermusik kommt heute wieder gut an. Viele Menschen sie enorm begeistern kann. Mancher „Schlagerfuzzi“ hat als Troubadour, jetzt wirtschaftlich lohnende Hochkonjunktur und macht nicht selten einen satten Gewinn, oft für einen musikalischen Unsinn. Verfügt ein Song über genug „Herz und Schmerz,“ garantiert er einen lohnenden Kommerz. Die Komposition als wichtiger Fakt, erfolgt sogar häufig im

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Weshalb sich eine Frau hübsch macht

Auf die Frage, weshalb sich eine Frau hübsch macht, es eine durchaus logische Antwort gibt. Wer letztendlich den Mann heiß und innig liebt, hat sich die richtige Schminktechnik beigebracht. Folglich schminkt sich die Frau mit geschickter Hand und einigen Portionen weiblicher List, denn das Männerauge besser entwickelt ist, als in vielen Fällen der Männerverstand.

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Kleine Verschiebung

Vor einem Bild, das seine Farben leiser gestellt hat, ist sie eingeschlafen. Die Wintersonne verlässt langsam ihre Hände. Der Aufseher wartet. Dann schiebt er die Bank eine Handbreit ins Licht. Sie schläft weiter. Vielleicht ändert sich in ihrem Traum, wem die Wärme gehört. Später ist die Bank leer. Die Sonne stellt sich noch immer schlafend.

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Enfant terrible

Mancher Mensch ist ein gefürchtetes Enfant terrible, handelt oft unangepasst und kein bisschen flexibel. Immer wieder durch provokantes Verhalten auffällt, grundsätzlich das eigene „Ich“ in den Vordergrund stellt. Von den Mitmenschen er als „Bürgerschreck“ gesehen wird, nicht selten gegen gesellschaftliche Normen agiert. Hat schon so manchen zur totalen Verzweiflung gebracht und sich somit als „Schwarzes

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Abflug

An der Haltestelle riss ein Mann den Fahrplan aus dem Rahmen. Er teilte ihn mitten durch die Abfahrtszeiten. Auf der Bank weinte ein Kind in seine Mütze. Der Mann kniete nieder und faltete aus der nächsten Abfahrt einen Vogel. Er setzte ihn dem Kind auf die Knie. Als ich aufsah, bog mein Bus schon um

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