Dienstkleidung

Die Vita sitzt faltenlos. Das Lächeln erfüllt alle Voraussetzungen. Im Saal wird auf den Erfolg angestoßen, als wäre Scheitern nur schlechte Planung. Zwischen zwei Reden kündigt der Körper die Zusammenarbeit. Kalter Boden. Hände ohne Aufgabe. Ein Herz, das keinen Beifall versteht. Auf dem Waschbecken leuchten Glückwünsche auf. Minuten später kehrt das Lächeln an seinen Arbeitsplatz

Dienstkleidung Weiterlesen »

Wo wir sie uns reichen

Hände sind auch Stimme und Blick sind Pflicht freier Wille erzeugen Schmerz großes Glück hantieren laut wirken in der Stille sind schreibende Gesellen als Werkzeug ein Juwel voll Freud und Eifer oder stumpf nur auf Befehl gestikulieren in eigener Art vehement verhalten erweisen sich als grob als zart in ihrem Tun und Gestalten. Alles Werten

Wo wir sie uns reichen Weiterlesen »

Lektüre

Zwei junge Männer lagen aufgeschlagen auf den Tischen, der eine seit Jahrhunderten untröstlich, der andere zwei Jahrhunderte jünger, nicht weniger verloren. Die Klasse prüfte ihr Leiden, fand es weich, lächerlich. Mimosen. Unter blauem Haar hob sich ein Gesicht. Eine Stimme stellte sich zwischen das Gelächter und die Bücher, verteidigte beide mit einer Heftigkeit, die bis

Lektüre Weiterlesen »

Der Herbst beginnt

Ein sanfter Wind zieht durch das Land, malt bunte Farben mit leichter Hand. Die Blätter tanzen im Sonnenlicht, als warmes Gold, es durch die Nebel bricht. ————————- Die Welt sie liegt im herbstlichen Glanz, die Natur beginnt den Herbstlichen Tanz. Die Äste lassen erste Blätter los, und bergen sie im weichen Moos. ——————- Es zieht

Der Herbst beginnt Weiterlesen »

Übermalung

Fünf Jahre lang trocknete die Zukunft in dünnen Schichten: weiße Säle, Blitzlicht, der eigene Name im gedämpften Raunen. Dann ein grauer Umschlag, höflich verschlossen. Ein paar Sätze, leicht genug für ein Blatt, schwer genug, alle Farben kippen zu lassen. Unter dem Dach wartete das Bild. Plötzlich traten daraus hervor: die Mühe, die Enge, der schlecht

Übermalung Weiterlesen »

Hausordnung für Besucher

Liebe(r) Besucher, Dieses Haus hat keine Ordnung. Es ist Staub auf den Schränken, Hundehaare in den Ecken, Fingerabdrücke auf den Fenstern, Werkzeuge, für offene Baustellen, Spielzeuge überall. Wenn Du das siehst und dich unwohl fühlst, darfst du jederzeit gehen und nie wieder zurückkehren. Du hast Erwartungen, wie wir LEBEN SOLLEN, die wir nicht erfüllen WOLLEN.

Hausordnung für Besucher Weiterlesen »

Wie ein leiser Strom

Ein Wort genügt, um Licht zu schenken, ganz ohne Prunk, ganz ohne Schein. Man muss Gedanken gar nicht lenken, sie dürfen einfach nur wahr sein. Wer Gutes tut, macht es oft leise, ein lautes Urteil aus der Welt. Die Stille reicht auf ihre Weise, die tröstend uns zusammenhält. Was zählt, ist nie der fremde Sinn,

Wie ein leiser Strom Weiterlesen »

Die missglückte Rede

Ein Mensch rhetorisch ganz gezielt, eine flammende Rede hielt, sich zum Wortakrobat machte, Weisheiten an den Mann brachte. Nur Neunmalkluges er erzählte, das Trommelfell der Hörer quälte. Obwohl mancher die Worte toll fand, dennoch keiner sie so recht verstand. Sehr schnell hat man dann kapituliert, das Geschwafel war zu kompliziert, die richtige Entscheidung fällte, seine

Die missglückte Rede Weiterlesen »

Die Liaison

Ein Igel auf Freiersfüßen wandelte und mit einem kessen Schwein anbandelte. Der süßen Sau dann Komplimente machte, so seine Verliebtheit zum Ausdruck brachte. Da das Schwein von dem Werben angetan war, wurden die Beiden im Nu ein Liebespaar. Eine wunderbare Liaison anfing, ihr Himmel natürlich voller Geigen hing. Sie hatten nur noch Augen für sich

Die Liaison Weiterlesen »

Überschätztes Können

Auf den wichtigsten Posten sitzen häufig Vollpfosten, die vor nichts zurückschrecken und den Eindruck erwecken, selbst sehr brisante Themen rasch in Angriff zu nehmen. Und hoffen, dass es gelingt, man großen Erfolg erringt. Doch im realen Leben, wenn´s schwierig wird, aufgeben. Versprechen oft nicht halten, dabei den Grips ausschalten. Sich dennoch arg aufblasen, antworten meist

Überschätztes Können Weiterlesen »

Acht Stunden

Zum ersten Mal blieb die Nacht ohne Auftrag. Kein Husten zog an den Nerven. Kein Hilferuf musste aus dem Schlaf gehoben werden. Der Körper fiel in acht dunkle Stunden, schwerelos, unbewacht. Am Morgen war das Gesicht trocken, der Atem still. Die Trauer kam, legte zwei Finger an diesen Frieden und zog die Hand zurück.

Acht Stunden Weiterlesen »

Aufenthaltsort

Die Frau wohnt nachts in einem Bus. Alle siebenundvierzig Minuten kommt ihre Wohnung am selben Bahnhof vorbei. Sie kennt jede Kurve, die Ampel mit dem langen Rot, das Geräusch der Türen vor dem Öffnen. Manchmal steigt ein Kontrolleur ein. Dann zeigt sie ein gültiges Ticket für eine Fahrt, die nirgends enden darf. Um vier Uhr

Aufenthaltsort Weiterlesen »

Spätlese

Ich kam spät. Der Sommer war schon außer Atem. Die Kinder nicht. Sie rannten durch meinen Schatten, ihr Lachen blieb zwischen meinen Blättern hängen. Eis schmolz in mein Gesicht. Auf dem Gartentisch grinsten Melonen mit schwarzen Zähnen. Musik sprang aus offenen Fenstern. Der Wind probierte die Hemden an. Jetzt klettert die Kühle meinen Stängel hinauf.

Spätlese Weiterlesen »

Der Geduldsfaden

Die Ungeduld geht dir oft auf den Geist, so dass dir nun der Geduldsfaden reißt, den du mit deiner arg stressigen Last, ganz gewaltig überstrapaziert hast. Dennoch solltest du jetzt nicht aufgeben, weiterhin deine Ziele anstreben. Dich immerzu ruhig und gelassen, deiner gestressten Lage anpassen. Wenn du den Faden durchs Nadelöhr ziehst, alle Belastungen nun

Der Geduldsfaden Weiterlesen »

Die Null

Menschen, die nie was auf die Reihe kriegen, werden Nieten und Versager genannt, nicht im Trend der Leistungsgesellschaft liegen und sind als nutzlose Nullen bekannt. Doch wer Nullen mit den Nutzlosen gleichsetzt, hat sich mathematisch gründlich geirrt, den Sinn der Nullen hochnäsig unterschätzt und schon die Grundrechenart nicht kapiert. Das Nullen daher keineswegs nutzlos sind,

Die Null Weiterlesen »