Augustregen

Welch ein Segen bringt der Regen auf das ausgedörrte Land; still zieht er auf Feld und Wegen wie eine kühle, milde Hand. Die Erde trinkt mit dunklen Poren, der Staub verliert sein graues Kleid; was müd und matt schien und verloren, erwacht zu neuer Heiterkeit. Die Linden tropfen, Hecken glänzen, der Garten duftet tief und

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Sehnsucht!

Gedanken schweben… Gedanken schweben übers Meer. Verweht im Wind die innere Wehr. Hand in Hand das spüren der Zeit. Die Wellen plätschern in das Leid. Endlose Weite wärmt das Gefühl. Sanfter Wind wirkt frisch und kühl. Seele wünscht sich hier ein Nest. Ein letzter Blick hält Schönes fest. Bernd Tunn Tetje

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Hymne an den Pickel

Oh Schreck, oh Pein, oh großes Weh, als ich heut‘ in den Spiegel seh‘, was starrt mich an im gleißend Licht? Ein Pickel – mitten im Gesicht! Wo kommst Du her, mein neuer Gast? So sprich zu mir, Du süße Last. Kommst Du aus meiner Seele Grund? Und wirst Du größer, dick und rund? Die

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Ungelesene Nachricht

Die Kinder schlafen. Britt schließt leise die Tür und bleibt mit der Stille zurück. Im Wohnzimmer zieht sie die Couch auseinander. Das Gestänge knackt wie etwas, das zu lange gewartet hat. Sie streicht das Leintuch glatt auf der Seite, die leer bleiben wird. Das Telefon liegt schwarz auf dem Tisch. Unter dem Glas sammeln sich

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Augustlied

Der August geht durch Wald und Feld, mit Gold im Haar, mit Licht im Kleid; als wär die ganze müde Welt noch einmal schön für kurze Zeit. Die Brombeerhecke trägt so schwer, die Wespe taumelt süß berauscht; vom Hügel kommt kein Lärmen mehr, nur dass der Wind im Hafer lauscht. Am Bach steht still die

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Der Staat

Der Staat Die Zeit hat jetzt den Staat gegründet. Das Volk sind die Tage. Und es gibt das Parlament der Tage. Das Parlament wählt die Minister. Die Minister sagen, was im Land passiert. Und welche Zeit wichtig bleibt. Und was die Macht der Tage darf. Und was Reichtum zeigt. Und was Geist und Macht sagen.

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Die Boxhandschuhe

Das Leben. Das sind Boxhandschuhe. Nach einer Zeit sind sie stets da. Jeder steht mit ihnen auf. Lebt über den Tag mit ihnen. Fragt sie nach dem Leben. Was Kunst ist. Und Stille. Und Freude. Und nur der Kampf zählt. Die Antworten müssen warten. Der Kampf geht weiter. Jeden Tag. Bis zum Knockout. Boxhandschuhe auf

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Disco

Die Nacht – ein schwarzes Schachbrett, auf dem Lichter wie Könige tanzen und Menschen wie Bauern Zug um Zug geopfert werden. Die Musik hämmert, als wollte sie das Denken erschlagen, und jeder Schlag des Basses ist ein Takt im Metronom der Vergänglichkeit. Und irgendwo zwischen Rauch und Licht haucht Donna Summer „Love to Love You,

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Wasser in der Sahara

Wie auch immer wir in Städte kommen – mit unterschiedlicher Stimmung, in verschiedenen Jahren, in unterschiedlichen Lebensphasen – manche von ihnen bleiben für uns genau gleich. Die Orte, die uns einmal berührt haben, gefallen uns weiterhin. Und diejenigen, die uns mit nichts Besonderem erreicht haben, bleiben einfach nur eine Veränderung der Landschaft vor unseren Augen.

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Tränenweg…

Tränenweg… Sie geht gerne diesen Weg. Für all die Tränen angelegt. Wind spielt sanft in der Luft. Über Gräber Herbstzeitduft. Bedenkt so viel in der Stille. Ruhiger wird der Eigenwille. Bernd Tunn Tetje Bild: Bing KI

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Keine Werkseinstellung

Sie sagen: Die Werte gehen verloren. Als hätte die Gegenwart beim letzten Update etwas Wichtiges gelöscht. Aber vielleicht wurde nur sichtbar, wie wenig davon je installiert war. Mitgefühl mit Stummschaltung. Tierliebe bis zum Preisschild. Ehrlichkeit, solange das eigene Konto nicht mitliest. Wir nennen es Haltung, solange sie uns nicht verändert. Und Tradition, wenn niemand fragt,

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Der Schein der schimmernden Welt

Einst im Rauch verbrannter Wünsche, heute im Schaum bitterer Gärung. Ein Grat, so schmal wie der Nachtnebel, ein Leben im Schlingern der Gezeiten. Wir tanzen im Diktat der Mode, hetzen dem fremden Takt hinterher, wähnen uns frei im eigenen Geist, während ein Echo den Kurs bestimmt. Das echte Leben – ein ferner Garten – verschlossen

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Nachwelt

Zurück blieb die Form eines Fußes. Der Mensch war längst anderswo. Die Flut legt Wasser in seine Abwesenheit. Wenig später: winzige Tiere in der Tiefe eines Schritts. Was eben noch einen Menschen bedeutete, wird für anderes zur Welt.

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Augustabend

Der August liegt auf Feld und Rain, so satt, als müsst es ewig sein; das Korn ist schwer, die Luft ist lind, nur manchmal geht ein kühler Wind. Die Brombeerhecke, schwarz und voll, weiß längst, was bald geschehen soll; die Wespe trinkt am süßen Saft, als gäb es morgen keine Kraft. Am Wege steht die

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Mittagsruhe

Der Nachbar legte das Ohr an die Tür von Nummer sieben. Ich blieb eine Stufe über ihm stehen. Er horchte, bis es drinnen einmal hustete. Dann stellte er eine Schüssel Suppe auf die Matte und ging. Ich setzte jeden Schritt dorthin, wo die Stufen nicht knarrten.

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