Der Winter denkt nach

Die Kälte denkt: So geht das nicht. Zu viel Gefühl. Zu wenig Licht. Sie ordnet schnell, sie räumt ein wenig, macht die Welt übersichtlich und fröhlich-wenig. Was gestern laut „Ich!“ gerufen hat, liegt heute brav im weißen Spat. Der Frost sagt: „Still jetzt. Erstmal ruh’n. Das Leben hat noch Zeit zu tun.“ Und siehe da: […]

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Im Licht der Kälte

Die Kälte formt die Welt erneut, nicht feindlich, nein – in stiller Treue. Sie sammelt, was im Sommer streute, und führt es heim ins klare Maß. Die Erde hält den Atem an, als lausche sie dem tiefen Sinn. Im Frost wird jedes Ding sich seiner Grenze, seiner Würde inne. Nicht Tod ist dies, nicht starres

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Im Maß der Kälte

Die Kälte formt die Welten neu, was früher alt, wird heute treu dem stillen Wandel übergeben, der ordnet, prüft und neu lässt leben. Was hart erscheint, ist nur bewahrt, im Frost wird Wesentliches klar. Die Formen schärfen sich im Stillen, wo Kräfte ruh’n statt laut zu drängen. Der Winter trennt, was tragen kann, vom Übermaß,

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Der Lauf

Was hast du denn sportlich geschafft – die Augen, brauen Augen in strahlende Form gebracht. Du kannst nur vermuten, wie schnell alles Graue die unterbuttern; Man brauche keine Hantel, nur Rauschen freudig durch Welt. Die tragen besonderes Licht, Ich glaube Schlitz Zuversicht. Ich fange ganz schnell von der Schwelle in großem und langsamem Schritt bis

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Wenn die Erde wieder atmet

Vielleicht beginnt die neue Welt nicht dort, wo Macht die Regeln hält, nicht dort, wo Reichtum Mauern zieht, und jeder nur den Vorteil sieht. Vielleicht erwacht sie leis im Herzen, wo jeder spürt, was wirklich zählt – ein Leben ohne Siegesschmerzen, ein Morgen, das die Erde wählt. Wir warfen Nahrung fort wie Staub, verbrannten Wälder,

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Ausgesetzt

Es besteht aus einem einzigen Blatt, gefaltet entlang klarer Linien. Die Kanten sind scharf. Sie wissen, dass sie es nicht bleiben. Ich setze mein Gedicht aus, denn Schreiben beginnt, wenn es mich verlässt. Für einen Moment ist es unterwegs, solange der Leser noch gnädig bleibt. Wenn es ankommt, war es Glück. Wenn nicht, war es

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Narben

Wir übersahen einander. Zu groß war der Abstand der Jahre, zu schmal mein Blick für deinen leisen Schmerz . Unsere Mutter, so unbeholfen in Zärtlichkeit, ließ dich oft ohne Trost, mit einem Maßband, das dir schon früh den Atem nahm. Ich sah dein Ringen, wie man Regen sieht. Man hört ihn, man geht trotzdem weiter.

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Unter Sternen

Meine Seele findet Frieden unter Sternen, wo Lärm und Unrast wie im Traum vergeh’n. Mein Innerstes muss noch das Ruhen lernen. Die Zeit bleibt einfach ohne Regung steh’n. Gedanken lösen sich aus ihren Zwängen. Kein Ziel ruft meinen Namen laut. Ich fühl‘ kein innerliches Drängen. Hab‘ mich dem Himmel wortlos anvertraut. Ich stehe staunend vor

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Der Duft der Glut

Der Duft der Glut, er flammte auf in mir, ein Kreis aus Feuer zog mich hin zu dir. Von heißem Wunsch emporgerissen, verlor ich Halt in deinen Küssen. Ich sank hinab und immer weiter, die Funken stoben, wild und heißer und jede Flamme schlug empor, als trüge sie mein Wort hervor. Es brannte hell, es

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Das erste Licht

Ein neuer Tag beginnt, noch unberührt und weit, der frühe Wind verweht den Staub der Dunkelheit. Stille füllt den Glanz, die Welt hält den Atem an, weil im hellen Schein das Werden neu begann. Das Gold der Sonne bricht sich sacht im kalten Glas, ein Funkeln fängt sich fern im nassgeschmiegten Gras. Gesegnet sei die

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Schade um den Mond

Wir streiten uns in der Nacht. Worte blitzen auf. Zorn glüht nach. Keiner hört zu. Jeder hat recht. Über uns der Mond. Er wandert um den Teich, uns belauschend. Schade um den Mond, er lässt die Sterne so wunderschön tanzen; er legt einen magischen Glanz auf Dächer und Felder; er verstreut Silber auf den Straßen.

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Stillgelegte Verheißung

Geschlossen! Kein Licht brennt mehr, weil nichts mehr kommt. Regale bewahren das Ausbleiben. Preisschilder sprechen von gestern in einer Sprache ohne Bedarf. Die Kühltruhen atmen nicht mehr: Ende der Versorgung als Versprechen. Die Zukunft wurde aus dem Sortiment genommen. Wir sind nicht mehr gelistet.

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Wenn Zitherklang das Herz berührt zurück dich in die Kindheit führt.

Wo die Karawanken schweigend stehn, und kalte Winde um die Gipfel wehn, da zittert leis’ ein Saitenspiel im Tal, ein Gruß der Heimat, wie ein Sonnenstrahl. ———————— Ich hör’ die Harfe, hör’ der Zither Klang, er macht die Seele weit das Herz mir bang. Vom Hochzeitsfest im Kärntner Land, bis hin zum Kindheitstraum wo ich

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Schade um den Mond

Wir streiten uns in der Nacht. Worte blitzen auf. Der Zorn glüht nach. Keiner hört zu. Jeder hat recht. Über uns der Mond. Er wandert um den Teich, uns belauschend. Schade um den Mond, er lässt die Sterne so wunderschön tanzen; er verstreut Silber auf den Straßen; er legt einen magischen Glanz auf Dächer und

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Der stumme Zeuge

Es brennt ein tiefes, stilles Leid, wenn fremde Schuld das Herz entzweit. Zu sehen, wie ihr Licht zerbricht – doch helfen kann ich ihr nicht. Wenn Weinen durch die Stille bricht, ist es ihr Schmerz, der zu mir spricht. Das Schweigen glänzt wie pures Gold, doch bleibt mein Blick der Wahrheit hold. Ja, Schweigen ist

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Liberty

Die alte Dame steht immer noch vor den Pforten von New York. Die Flamme freilich ist erloschen, Tränen rinnen ihre Wangen hinab. Der amerikanische Traum ist zerrüttet, die Hoffnung schwindet im Verzweiflungskampf. Der Dollar ist mit der Macht gepaart, das legale System schlicht marode. Geldgier statt Gerechtigkeit, Gewalt tobt auf der Straße. Frankreich bewunderte uns

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Korrektes Verhalten

Ein Mensch auf korrektes Verhalten Wert legt und sich über jede Verfehlung aufregt. Auch in arg gestressten Lagen nicht vergisst, dass Korrektheit im Leben notwendig ist. Deshalb er nie fünfe gerade sein lässt, hält an sein Verhalten stets ausnahmslos fest. Abweichungen hiervon weder toleriert noch das „der Zweck Mittel heiligt“ akzeptiert. Doch dann er den

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